Warum ich mich immer so über E-Mail-Warnungen «freue»

Ich finds ja toll, wenn jemand zu mir schaut, mich vor allem Unheil dieser Welt bewahren will… Eher skeptisch – um nicht zu sagen allergisch – bin ich bei irgendwelchen Warnungen vor explodierenden Handys, festplattenzerkauenden Viren, gegen die sogar Bill Gates machtlos sei, HIV-Nadeln in Kinositzen oder aber beim Aufruf zum Benzinboykott am Tag XY. 

 

Das Problem sind diese unsäglichen Meldungen, bei denen es immer heisst, man solle sie an "möglichst viele" oder an "deinen ganzen Bekanntenkreis" weiter schicken, um sie vor irgendetwas zu warnen. Wenn das steht, ist es das beste, genau das nicht zu tun, denn das Weiterschicken (nicht der Inhalt) ist die Krux an solchen Meldungen.

 

Ein Beispiel:

 

07:00 Du schickst eine Meldung an 50 Leute.

 

08:00 Eine Stunde später, schicken diese 50 Leute diese Meldung wieder weiter an je 50 Leute (=2500).

 

09:00 Nun schicken die 2500 Leute deine Meldung wieder an je 50 Leute in ihrem Bekanntenkreis (=125’000).

 

10:00 Spätestens jetzt erscheint die Meldung erstmals im Radio, da sicher mindestens ein dummer Radiomoderator ebenfalls drauf rein fällt. Gleichzeitig schicken die 125’000 die Meldung weiter an ihre 50 Bekannten (6’250’000).

 

11:00 Inzwischen weiss es die ganze Schweiz – und die 6’250’000 schicken die Meldung natürlich ebenfalls weiter. Dass es stimmt, was drin steht, wissen sie, denn sie haben ja auch schon im Radio davon gehört… Drum warnen sie ihre 50 Bekannten ebenfalls (wir sind schon bei 312’500’000 und erreichen also schon mehr Leute als alle Einwohner der USA).

 

12:00 Natürlich warnt nun auch der «seriöse CNN» und alle übrigen Sender vor der schlimmen Gefahr! Denn wenn so viele davon sprechen, muss es ja stimmen. Und sicher findet sich irgend ein Wissenschafter, der gerne in die Kamera plaudert, dass er "auch schon davon gehört habe" (kein Wunder…). Wenn das kein Beweis ist! Also schicken natürlich alle 312’500’000, die die Meldung schon haben, diese an ihre Bekannten weiter – bleiben wir mal dabei und nehmen an, sie hätten je 50 (juhui, wir sind auf 15’625’000’000).

 

So, innert eines halben Tages hast du also schon locker 2 1/2 Mal die Weltbevölkerung informiert!!! Da nun aber anzunehmen ist, dass nicht alle über E-Mail verfügen, verteilt sich die Meldung natürlich jeweils nicht nur auf "Neuinformierte". Mit jeder Stufe wächst die Gefahr, dass einer die Meldung ein zweites, drittes oder noch weitere Male erhält. Und ich mag gar nicht ausrechnen, wie oft ich diese eine Meldung aus meinem Postfach löschen müsste, wenn wir unser Beispiel noch eine Stunde weiter führen würden.

 

Weisst du jetzt, was ich meine?

 

Ein kleiner Gratistipp: Auf www.hoax-info.de machen sich ein paar Leute an der TU Berlin die Mühe, alle diese Meldungen zu sammeln und zu analysiere. Auch der "Wahrheitsgehalt" (ja, manchmal ist wirklich sogar ganz wenig Wahrheit drin) wird ermittelt. Die Hoax-Liste zeigt die ganze Vielfalt dieser Falschmeldungen. Darin zu stöbern ist echt interessant – aber bitte, bitte, bitte: NIE WEITERSCHICKEN!!!

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