Wann wird Kleinfeldfussball olympisch?

Zurzeit kommt man ja kaum umhin, die olympischen Spiele in London zu verfolgen. Das hab ich denn heute auch getan und festgestellt, dass der Michael Phelps nun also seine 20 Olympia-Medaille, seine 16. goldene, errungen hat. Seine Freude ist offensichtlich riesig – etwa gleich glücklich schaue ich jeweils drein, wenn ich ein Knöllchen unterm Scheibenwischer finde. Aber was solls, soll er doch seine «Plämpel» mit nach Hause schleppen, ich gönn ihm diese ja (vorausgesetzt, es stellt sich nicht irgendwann das Problem unerlaubter Substanzen heraus).

Nur finde ich es etwas unfair, dass die Schwimmer so viele Medaillensätze für sich beanspruchen. Da gibt es verschiedene Schwimmstile und in jedem dieser Stile wird über mindestens 6 Distanzen geschwommen. Hinzu kommen die Staffeln. Das heisst, ein einziger Schwimmer hat – rein theoretisch – rund 20 mögliche Wettkämpfe, in denen er starten könnte.

Szenenwechsel. Gestern hab ich Fechten geguckt. Ich glaube es war Fabian Kauter, dem nach seinem Ausscheiden in seinem ersten Gefecht die Frage gestellt wurde, ob er denn Olympia 2012 trotzdem noch etwas Positives abgewinnen könne. Allein dafür hätte die SF-Sportreporterin eine Goldmedaille in der Kategorie «Dämlichste Frage in Sportlerinterviews» mehr als verdient. Was soll einer, der vier Jahre auf diesen Event hingearbeitet hat und dann nach nicht einmal 9 Minuten Einsatz ausscheidet, darauf antworten? Etwa «Ja, das Feuerwerk an der Eröffnungsfeier war toll.», oder «Ja, die Muffins im olympischen Dorf schmecken hervorragend.»? Aber mal ehrlich: Er ist ja auch selber schuld, dieser Fechter Kauter. Was hält ihn davon ab, nur in einer Kategorie an den Start zu gehen? Im Fechten gibt es doch Florett, Degen und Säbel, oder?

Da war die Judo-Kämpferin Juliane Jobra in einer noch besch… Situation. Sie bestritt ihren einzigen Kampf im Achtelfinal gegen eine Südkoreanerin, verlor ganz knapp und so war auch für sie Olympia 2012 bereits vorbei. Ich wage die Prognose: Jobra wird in ihrer Karriere niemals 20 Olympia-Medaillen erringen. Ok, vielleicht hätte sie sich ja noch ein paar Kilos anfuttern und in einer höheren Gewichtsklasse antreten können. Aber Judokas sind halt keine Schwimmer.

Es wäre nichts als fair, in allen Sportarten mehrere Wettkämpfe auszutragen. Im Fechten könnte man ja bei jeder Waffe nach Waffenlänge unterscheiden, also 90, 80, 70, 60 und 50 cm. Als neue Königsdisziplin würde sich meiner Meinung nach die Viktorinox-Klasse mit handelsüblichen Swiss-Army-Knifes anbieten. Im Judo wäre mal die Unterscheidung nach «mit oder ohne Turnschuhe» eine Variante, und dann könnte man ja auch in der Kampflänge, beispielsweise vom Blitz-Judo über 3x 20 Sekunden bis hin zum Marathon-Judo über 3x 5 Stunden variieren.

Damit wir Schweizer auch mal wieder Medaillenchancen haben, schlage ich ohnehin vor, Sportarten wie Hornussen, Schwingen und Jassen ins olympische Programm aufzunehmen. Beim Schwingen wäre dann der Unterscheidung von Sennen- und Turnerschwingern mindestens noch die Kategorie Markenschwinger anzufügen, welche in dezent edelweissverzierten Michel-Jordi-Hemden antreten. Die Hornusser könnten den Nouss nebst dem Originalgewicht von 78 Gramm in weiteren Grössen bis hin zum «Bombernouss» mit 2,5 kg einsetzen. Und beim Jassen gibt es ohnehin schon genügend Unterarten, da wäre allenfalls noch die olympische Freistil-Staffel mit Coiffeur, Bieter, Pandur und Differenzler eine denkbare Erweiterung der Palette.

Beim Fussball wäre eine Differenzierung doch wieder etwas schwieriger. Hier sehe ich fast nur die Unterteilung nach Spielfeldgrösse wie bisher oder als Variante auf dem Kleinfeld mit den entsprechend kleineren Toren. Oder aber man führt eine neue Kategorie ein wie beispielsweise «Fussball mit anschliessendem Twitter-Dissen». Für uns Schweizer wären allerdings beide Varianten gar nichts. Wir treffen ja nicht einmal das grosse Tor, und beim Twitter-Fussball gingen uns wohl allzu rasch die Spieler aus.

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