Über Emannzipationinnen und Emannzipationen

(Aus dem Archiv – 20.07.2000)

Eigentlich beschäftigt mich heute die Erstellung meiner neuen Homepage. Aber damit du auch wirklich etwas zu lesen hast, schreibe ich hier erst einmal diese Zeilen.

Aber das wird dich als geneigter Leser / geneigte Leserin wohl kaum interessieren. Wie? Du störst dich an der heterosexuellen Schreibform? Also ich muss doch sehr bitten!

Wie war das doch noch vor ein paar Jahren? Der Herr des Hauses arbeitete, und brachte am Ende des Monats den wohlverdienten Lohn nach Hause. Währenddessen war seine holde Frau Gemahlin dazu bestimmt, die Familie und das traute Heim zu hegen und zu pflegen und selbstverständlich für das leibliche und sonstige Wohl des Ernährers zu sorgen. Recht so! Schöne heile Welt.

Doch plötzlich machten sich sogenannte Emanzen – ja, das hat nur ein „n“ in der Mitte – lautstark für Gleichberechtigung stark. Die Frau gehöre ins Haus; ins Rathaus, ins Bundeshaus, usw. So ein Schwachsinn, wo ihnen Gott doch absichtlich kleinere Füsse und dünnere Finger geschenkt hat, damit sie näher an den Herd stehen und besser in den Ecken putzen können. Rein anatomisch gesehen, macht Gleichberechtigung also überhaupt keinen Sinn.

Also müssen wir doch die Gleichberechtigung wenigstens sprachlich realisieren, bevor die eben angesprochenen nicht anzutastenden Bereiche angegriffen werden. Da nehme ich doch gerne in Kauf, jeweils die männliche und die weibliche Form eines Wortes zu verwenden. Das kleinere Übel… na du weisst schon.

Irgendwie habe ich mich im Laufe der Jahre daran gewöhnt, auch sehr jugendliche Damen mit „Frau“ und nicht mehr mit „Fräulein“ anzusprechen. Und in unserer Firma sprechen wir meist auch nicht mehr von Kunden, sondern von unserer Kundschaft, was praktischerweise Kundinnen und Kunden einschliesst. War ja eigentlich gar nicht so schlimm. Also liebe Emanzen: Wir haben kapituliert, ihr habt gewonnen! Eine bis hierhin durchlesende Emanze möge nun bitte auf den folgenden Link klicken und sich schleunigst auf wichtigere Seiten begeben:

www.emances-paradise.com

So, nun sind wir unter uns! Die Emanzen schlagen sich nun mit diesem toten Link rum. Das mit der Gleichberechtigung hat ja schliesslich auch seine Grenzen. Und das mit der Kapitulation ist natürlich rein taktisch. Denn stell dir nur mal vor, sie würden es darauf anlegen, uns Normaldenker vollends in die Knie zu zwingen. Es wäre nicht auszudenken, was das auf unsere Sprache für Auswirkungen hätte. Denn dann müsste der obige Text wohl so lauten:

Wie war das doch noch vor ein paar Jahrinnen und Jahren? Der Herr / die Dame des Hauses / der Hausin arbeitete, und brachte am Ende / an der Ende der / des Monatin / Monats den / die wohlverdiente / wohlverdienten Lohn / Lohnin nach Hause / Hauser. Währenddessen / währenderer war seine / ihre holde Frau / Herr Gemahlin / Gemahl dazu bestimmt, den / die Familie und das / die traute Heim / Heimin zu hegen und zu pflegen und selbstverständlich für die / den leibliche / leiblichen und sonstige / sonstigen Wohlin / Wohl des / der Ernährers / Ernährerin zu sorgen…

Weißt du nun, was ich meine? Also bevor wir uns mit Krankenschwesterinnen und Krankenschwestern, Nonninnnen und Nonnen, Flaschenöffnerinnen und Flaschenöffnern sowie Büstenhalterinnen und Büstenhaltern herumschlagen müssen, spreche ich meine Leserschaft – tja, das ginge ja auch – doch mit Leserinnen und Lesern an.

 

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