Über Sensationen für und um den Journalismus

(Aus dem Archiv: 25.07.2000)

Eigentlich müsste ich ja heute über den Concorde-Absturz in Paris berichten. Denn das ist, was die Leute heute bewegt. Noch viel interessanter wird die Geschichte ja, weil gerade gestern bekannt gegeben wurde, dass an fast allen Maschinen dieses Typs Haarrisse festgestellt worden seien. Diese seien aber nicht so gravierend und für die Sicherheit sei gesorgt. Eine einzige Maschine müsse bis zur Behebung der Schäden im September aus dem Verkehr gezogen werden. Das war natürlich ein gefundenes Fressen für die Presse, die die ach so öde saure-Gurken-Zeit dergestalt überbrücken konnte. Und nun, am Tag, als sie diese Meldungen brachten, dann auch gleich der Absturz. Toll! Das nennt man ein perfektes Timing! Angesichts der Tatsache, dass dies aber bereits der fünfte grössere Flugzeugabsturz in diesem Jahr war, dürfte der Sensationsgehalt dieser Meldung dennoch schon bald wieder verflachen.

Da bewegt mich eine andere Meldung, die ich heute in unserem Regionalradio aufgeschnappt habe, schon vielmehr. Danach seien deutsche Sprach-Experten daran, die vor etwa zwei Jahren aufwändig eingeführte neue Deutsche Rechtschreibung gründlichst wieder zu überarbeiten, da sich rund 90 % der Bevölkerung im deutschen Sprachraum nicht an die neuen Regeln halten würden. Mir ists, als hätte ich das doch bereits vor der Einführung vorausgesehen. Dennoch habe ich versucht, mich anzupassen und schreibe eben nun Tipps mit zwei p und aufwändig mit ä. Tja, der Mensch ist ein Gewohnheit-Stier (oder wie trennt man das nun?). Nur an die Spagetti und den Schofför werde ich mich wohl doch nie gewöhnen können. Aber laut dieser Meldung werde ich das ja wohl auch nicht müssen, denn die alte deutsche Rechtschreibung feiert immer häufiger ein Comeback und die erwähnten Experten sollen ebenfalls in diese Richtung arbeiten. – Wenn ich mir nun diese Zeilen so anschaue, so fällt mir auf, dass mein Rechtschreibe-Prüf-Programm praktisch alle nach neuer Rechtschreibung geschriebenen Wörter nicht als richtig anerkennt. Ich muss daraus schliessen, dass ich noch kein Update gemacht habe, und angesichts dieser Meldung aus dem Radio werde ich mich hüten, dies noch zu tun. Offenbar zahlt es sich manchmal doch aus, wenn man nicht bei jeder „Hundsverlochete“ (ugs. für Hundebegräbnis) dabei ist.

Das haben sich wohl auch einige Australier gedacht, denn auch diese Meldung war heute in den Radio-News: Viele Einwohner Sydneys wollen mit den in sieben Wochen beginnenden Olympischen Spielen offenbar nichts zu tun haben. Eine Studie stellte fest, das eine halbe Million Menschen, 14 Prozent der Bewohner, die Stadt verlassen wollen. 55 Prozent der Befragten planten sogar eine Auslandsreise. 52 Tage vor der Eröffnungszeremonie stehen noch unerwartet viele Unterkünfte für die Zeit der Olympischen Spiele vom 15. September bis zum 1. Oktober zur Verfügung. Laut der Studie ziehen vor allem wohlhabende Menschen eine Reise den Olympischen Spielen vor. 86 Prozent der Sydneyer, die bleiben, werden Verwandte oder Freunde aus dem In- und Ausland beherbergen. Insgesamt stehen 60 Prozent der Australier dem sportlichen Grossereignis positiv gegenüber.

Bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass die flüchtenden wohlhabenden Sidneyer nicht mit der Concorde verreisen.

 

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