Über Ablenkungen von ungelenken Lenkern

(Aus dem Archiv: 17.10.2000)

So, so. Jetzt haben also einige Verkehrssicherheits-Experten herausgefunden, dass das Telefonieren mit dem Handy verkehrsgefährdend sein soll. Ja. Ich weiss. So neu ist diese Meldung nicht. Aber was mich beunruhigt, ist eine Meldung, wonach die Polizei jetzt schärfer mit Verkehrsteilnehmern umspringen will, die telefonierenderweise geschnappt werden können. Dabei spiele es keine Rolle, ob nur mit dem Handy oder aber mittels einer Freisprecheinrichtung telefoniert werde. Beides lenke den Verkehrsteilnehmer ab und gefährde so die Sicherheit.

Dass es nicht gerade zur Sicherheit im Verkehr beiträgt, wenn jemand sein Handy zwischen Schulter und Ohr einklemmt und sich in dieser nicht ganz ästhetischen Haltung durch den Stadtverkehr zu kämpfen versucht, leuchtet mir ja ein. Dass aber das Telefonieren mittels Freisprecheinrichtung so gefährlich sein soll, dass solches Tun geahndet werden müsste, gibt mir doch zu denken. Schliesslich müsste dann konsequenterweise alles verboten werden, was den Lenker eines Fahrzeugs ablenken könnte.

Fangen wir also mal damit an, das Rauchen im Auto zu verbieten. Denn schliesslich gehört bereits das Herauskramen einer einzelnen Zigarette aus der Handtasche auf dem Beifahrersitz oder dem Handschuhfach zu den Meisterleistungen fahrerischen Könnens, die aber trotz aller zirzensischer Begabungen nicht ganz ohne Ablenkung bewerkstelligt werden können. Kommt dazu, dass die Handhabung des Zigarettenanzünders ebenfalls höchste Aufmerksamkeit erfordert, um nicht – nebst Verbrennungen – mit bestenfalls Blech- und schlimmstenfalls physischen Schäden davon zu kommen.

Dann geht es dem Autoradio an den Kragen. Selbst wenn kein Kleber irgendeiner Mega-Superwoofer-Top-Sound-Boost-Anlage 95 Prozent der Heckscheibe zu einer undurchsichtigen reinen Werbeplattform degradiert, und selbst wenn das Radio in einer Lautstärke laufen gelassen wird, dass das Auto noch nicht allein durch gezielten Ausstoss von Schallwellen angetrieben werden kann; die Musik und die Moderation lenkt ab. Also raus damit. Oder zumindest wäre dann konsequenterweise auch hier ein hartes Durchgreifen der Ordnungshüter gefordert, wenn jemand sein Radio während der Fahrt laufen lässt.

So, und wenn wir schon mal dabei sind, dann wäre auch einzugreifen, wenn sich jemand dazu verleiten lässt, das Lenkrad für das Einlegen eines anderen Ganges loszulassen. Also heisst hier die Devise: Fahren im ersten Gang oder es bleibt nichts anderes übrig als ein Auto mit Automatik-Getriebe zu erstehen.

Wenn innerhalb des Autos alle weiteren Störfaktoren wie Ehefrau auf dem Beifahrer- und Kinder auf dem Rücksitz entfernt sind, dann müssten wir uns nun noch damit befassen, was sich ausserhalb des Wagens auf die Aufmerksamkeit des Fahrers auswirken kann. Also weg mit allen Werbe-Plakaten am Strassenrand, dann aber auch mit sämtlichen Fussgängern und erst recht mit diesen unsäglichen Signalisationen. Jedes Verkehrsschild und jede Ampel müsste also der Verkehrssicherheit zuliebe entfernt werden.

Und zu guter Letzt gibt es ja auch noch diese Verkehrskontrollen, bei welchen auffällig gekleidete Menschen mit einer Stablampe bewaffnet mitten auf der Strasse stehen, den Verkehrsfluss hemmen und den aufmerksamen Autofahrer schlagartig aus seiner Konzentration reissen können. Also weg damit, oder falls sich das nicht gleich umsetzen lässt, konzentriert und geradeaus weiterfahren…

 

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