Über die Mondfinsternis und andere dunkle Seiten

(Aus dem Archiv 10.01.2001)

Ich geb’s ja zu. Fernsehen ist eines meiner liebsten Hobbies. So rund eine Stunde sitze ich täglich mindestens vor der Flimmerkiste und lasse die grosse weite Welt an mir vorbei ziehen. Aber auf unserer letzten USA-Reise im September 2000 habe ich eine alte Liebe neu entdeckt. Das ECHTE Fern-sehen.

Schon als Kind haben mich die Sterne fasziniert. So ungefähr als zehnjähriger Junge kannte ich den grossen Wagen und wusste somit auch den Polarstern und damit die Windrichtungen bei klarem Nachthimmel zu bestimmen. Ich wusste auch bald, dass der Mond sich um die Erde, die Erde sich um die Sonne dreht und für eine Umkreisung rund 365 Tage und 6 Stunden benötigt. Etwas später, als ich die Verkehrsschule besuchte, belegte ich in einer speziellen Kurswoche den 2-tägigen Astronomie-Kurs, was mich derart zu packen vermochte, dass ich trotz der Tags (oder besser: Nachts) zuvor bei einer Schulkameradin gefeierten Party und des verdunkelten Schulzimmers nicht einschlief und sogar meinen Pultnachbarn mit gelegentlichen Ellbogen-Checks am endgültigen Abtauchen hindern konnte.

Und nun hatte es mich also wieder gepackt, als wir in Florida den Start der Raumfähre Atlantis live miterleben konnten. Zudem waren wir am Vortag bereits im Kennedy-Space-Center und konnten dort unter anderem die verschiedenen Module der demnächst im All zusammen zu bauenden ISS (International Space-Station) bestaunen. Und so haben wir – meine Frau und ich – also seither des öfteren die Homepage der NASA besucht um zu sehen, was wann von wo aus raufgeschossen wird, ab und zu Satellitenbilder gefunden und natürlich „unseren“ Flug der Atlantis akribisch mitverfolgt. Als wir dann auch noch ein Tool gefunden haben, mit welchem man die Sichtungszeiten der nun seit einigen Wochen die Erde umkreisenden ISS auf die Sekunde genau voraussagen konnte, waren wir schon des öfteren mal abends auf die benachbarte Wiese ausgerückt und haben nach der Station Ausschau gehalten. Zweimal bisher waren wir dabei erfolgreich.

Ein neuerliches Fern-seh-Highlight war auf den Abend vom 9. Januar 2001 angesagt. Eine totale Mondfinsternis. Nur kurz für Laien: Der Mond ist dann vollständig im Schatten, den die Erde vom Sonnenlicht wirft. So etwa um 19.30 Uhr sollte das Spektakel mit dem Eintritt des Mondes in den Erdschatten starten. Um 20.49 Uhr begann dann die „Totale“, also die vollständige Verdunkelung des Mondes, welche bis 21.51 Uhr anhielt. Klar, dass ich in dieser guten Stunde des öfteren auf die Terrasse trat und meinen Blick gen Himmel richtete. Aber das Objekt der Begierde zeigte sich nicht. Zu viele Wolken verdeckten den winterlichen Nachthimmel, was in unseren Breitengraden in dieser Jahreszeit nicht sonderlich Aufsehen erregend, an diesem speziellen Tag aber doch sehr ärgerlich war. Wir gingen mehrere Male, versuchten auch, durch die Wahl eines besseren Standortes doch noch einen Blick zu erhaschen, ja wir setzten sogar die Brillen auf, welche wir vor rund 1 1/2 Jahren bei der totalen Sonnenfinsternis benützten, aber alle Mühe war umsonst. Der Mond in seiner angekündigten kupferroten Verfärbung zeigt sich uns nicht. Meine Frau hatte die Hoffnung ja bereits nach dem zweiten Versuch aufgegeben, ich aber biss durch und ging immer und immer wieder nach draussen. Nur, die Wolkendecke blieb dicht, der Mond unsichtbar, und ich war bitter enttäuscht über das entgagene Naturschauspiel. Da nützte auch der Hinweis in der Nachrichtensendung wenig, wonach die nächste „Totale“ am 16. Mai 2003 stattfinden würde.

Nun, man soll ja eine gute Geschichte möglichst mit einem Happy-End schliessen lassen, und so darf ich hiermit feierlich verkünden, dass ich nicht ganz umsonst ein paar Mal auf die Terrasse raus gegangen bin. Als ich nämlich um 21.50 Uhr den letzten Versuch unternahm, habe ich mir meinen Zeigefinger zwischen Terrassentür und Rahmen eingeklemmt, dass ich für die nächsten rund 5 Minuten wirklich nur noch Sterne sah…

 

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