Über meine (zu) lange Karriere bei der Post

(Aus dem Archiv 17.08.2001)

Geh zur Post, dann hast du einen sicheren Job! Diesen Rat haben mir meine Eltern vor rund 20 Jahren mit auf den Weg gegeben, als ich, klein Roli, mich mit der Frage der Berufswahl herumschlug. Da mich Eisenbahnen nicht sehr interessierten, kam Lokführer kaum in Frage und als Pilot sah ich keine Chance, weil ich mit meiner bescheidenen Körpergrösse wohl kaum aus dem Cockpit gesehen hätte. Ausserdem hatte ich Stewardessen als weibliche, bildhübsche aber mindestens 195cm grosse Wesen in Erinnerung, was einen grossen Teil der Verlockungen des Pilotenberufes für mich bereits uninteressant machte.

So besuchte ich denn die Verkehrsschule in Olten – für all jene, die mich noch nicht darauf angesprochen haben: Nein, das ist NICHT da, wo die Verkehrspolizisten ausgebildet werden! – und versuchte anschliessend, bei der Post unter zu kommen. Am Ende des Auswahlverfahrens war ich sogar in der angenehmen Situation, mich innert 2 Minuten zwischen einer Karriere bei der Post oder der Bahn zu entscheiden. Ich wählte, wen wundert’s, den gelben Riesen.

Fortan sollte dieser mein Leben bestimmen. Ich absolvierte die Ausbildung zum Betriebssekretär in Aarburg und Suhr, und nach bestandener Abschlussprüfung tingelte ich in Aarau herum, bevor ich die Rekrutenschule und anschliessend meinen Stage in Genf absolvierte. Dort lernte ich sehr vieles; Feste feiern, Schlemmen wie Gott in Frankreich, McDonalds-Grossbestellungen 5 Minuten vor Ladenschluss deponieren, Videos gucken bis weit nach Mitternacht… die Aufzählung könnte noch beliebig weiter geführt werden, bevor dann auch noch kurz die französische Sprache erwähnt würde. Immerhin wohnte ich in der Rue de Berne, der Sündenmeile von Genf, und mein Götti, der damals in der Nähe von Genf wohnte, fragte mich ganz erstaunt, ob man denn ein Zimmer in der Rue de Berne auch für mehr als eine halbe Stunde mieten könne…

Nun gut, mit einigen Erfahrungen kam ich wieder in die Deutschschweiz zurück, tingelte weiter, löste hier mal einen erkrankten Posthalter ab oder verschlief da mal eine Bahnpost, die dann halt ohne mich durchs Freiamt preschte. Aus dieser Zeit stammt auch das schönste Souvenir, das ich während meiner Postkarriere gesammelt habe. Ich lernte meine jetzige Frau kennen.

Ende Mai 1989 trat ich im Postcheckamt Aarau meinen Dienst an. Zunächst als Saalchef in Aufsichtsfunktion über rund 20 Damen, welche die Buchungsdienste versahen, später als Kundenberater, welcher für praktisch alles zuständig war, was sonst keiner machen wollte. Als die Tage des Postcheckamtes bereits gezählt waren, durfte ich dann die Position des Personalchefs bekleiden und als solcher auch den Leiter bei seinen Abwesenheiten vertreten. Meine Hauptaufgabe bestand jedoch darin, die abspringenden Mitarbeiterinnen durch neu Eintretende zu ersetzen. Eine recht hektische Zeit, und dennoch fanden wir einige freie Stunden, in denen wir das ominöse Abschlussfest organisieren konnten. Von diesem Fest schwärmen fast alle damals anwesenden Damen noch heute. Mehr sei hier nicht verraten…

Als das Damoklesschwert der Aufhebung dann das Schicksal des Postcheckamtes besiegelte, wechselte ich auf die Kreispostdirektion Aarau. Am 4. November 1996 begann ich dort meinen Dienst als Promotor für Philatelie und Drittleistungen. Aus dieser Zeit stammt auch mein Uebername: Promotoren-Roli oder eben kurz: Promiroli. Nur rund 3 Monate lang übte ich diese Funktion aus, da zu jener Zeit der Kundenberater für den Zahlungsverkehr Abwanderungsgelüste hatte. Da lag es nahe, dass ich mich wieder dem Gebiet rund um das Gelbe Konto widmete. So fand für mich die Aufhebung der Kreispostdirektion und die Ueberführung in die Verkaufsregionen eher sanft statt.

In der Folge machte ich zwar 3 Jahre lang denselben Job, nur wechselte er so ungefähr im Jahresrhythmus seine Bezeichnung. Kundenberater C, Kundenberater Postfinance, Promotor Postfinance, Promoting Verkaufssupport Postfinance, Promotor Postfinance Produkte. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Doch auch dieser Einsatzort, die Verkaufsregion Aarau, fiel einer Reorganisation zum Opfer (böse Zungen behaupten, die Aufhebungen lägen an mir), und so war mein neues Arbeitsfeld im Marketing der Region Nord in Basel.

Und bevor nun der Entscheid fällt, dass auch die Region Nord reorganisiert und damit von der Bildfläche verschwinden soll, pfeife ich nun auf den „sicheren“ Job bei der Post und suche meine Fähigkeiten einem neuen Arbeitgeber zur Verfügung zu stellen.

An dieser Stelle danke ich allen, welche mich in meiner gut 16-jährigen Karriere begleitet und unterstützt, gefördert, gefordert, geärgert und/oder wieder aufgestellt haben. Ich habe viel gelernt und bin sicher, dass ich mit diesem prall gefüllten Wissensrucksack überall das nötige Werkzeug und ein praktisches Survival-Kit dabei habe.

Die meisten meiner ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werde ich vermissen. Besonders die vielen aufgestellten Teams, in welchen ich mich integrieren durfte, werde ich in allerbester Erinnerung behalten. Ich hoffe, dass wir uns irgendwie, irgendwo und irgendwann wieder über den Weg laufen.

Und falls jemand wissen möchte, wohin es mich nun verschlägt. Naja, zur Zeit weiss ich es selber noch nicht. Aber schreibt mal wieder ein Mail oder besucht meine Homepage www.promiroli.com, dann werde ich euch gerne auf dem Laufenden halten.

Werbeanzeigen
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s