Die älteste CEO der Schweiz

Rosa Bracher-Barelli* ist die zurzeit wohl fleissigste Kundin der Augenoptik-Kette Visilab. Und sie hat vor wenigen Tagen ein Start-up-Unternehmen gegründet. Beides wäre wohl kaum bemerkenswert, wäre da nicht das Alter der rüstigen Dame: Sie ist 106 Jahre alt!

Fast täglich nimmt Rosa Bracher den Weg von ihrem Seniorenheim in den Hauptbahnhof Zürich auf sich. Ein Weg, der sich für sie auszahlt, denn mit jeder Fahrt verdient sie Bares und das nicht einmal knapp. Bracher hat ein Geschäftsmodell entdeckt und mit Hilfe ihres Urenkels, der ihr auch die Website programmiert hat, ein Start-up-Unternehmen gegründet. Ihre Geschäftsidee: Billigst-Brillenfassungen.

Auf die Idee kam sie, als sie im Programm von SRF den Visilab-Spot mit Bernhard Russi und Lara Gut gesehen hatte. Da sie ohnehin eine neue Brille benötigte, stand sie tags Russi-Gutdarauf in besagter Visilab-Filiale und liess sich ihre neue Sehhilfe anfertigen. Und was sie sich zuhause durchgerechnet hatte, traf ein. Wie im TV-Spot versprochen, erhielt sie einen Rabatt in der Höhe ihres Alters, also 106 %. Das heisst, sie bezahlte nicht nur nichts, sie bekam gar noch Geld für ihren Kauf!

Die ehemalige Serviererin kam ins Grübeln. Daraus müsste sich doch etwas machen lassen. Sie erzählte die Geschichte ihrem Urenkel und dieser, ganz Geschäftsmann, half ihr beim Aufbau ihres eigenen kleinen Brillenfassungs-Handel. Inzwischen hat sie alle Mitbewohnerinnen und Mitbewohner ihres Seniorenheims mit Brillen ausgerüstet. Und natürlich hat auch ein grosser Teil des Personals schon profitiert. Das Angebot ist beliebt; verkauft Sie doch die bei Visilab geholten Fassungen für 20 % des angeschriebenen Preises. Frau Bracher streicht dabei nicht den ganzen Gewinn für sich ein. 30 % bekommt ihr Urenkel, 30 % legt sie sich für die Steuern zur Seite, 20 % gehen an die Spitex und die verbleibenden 45 % gehen in ihre eigene Kasse. Grosse Wünsche habe sie ja nicht, sagt die 106-Jährige. Nur im nächsten Winter, da wolle sie unbedingt mal an ein Ski-Weltcup-Rennen und Lara Gut sowie Bernhard Russi mal persönlich treffen.

Und Visilab? Die Augenoptik-Kette ist nicht eben begeistert von Frau Brachers privatem Brillenhandel. Aber versprochen ist versprochen, heisst es vom Hauptsitz zähneknirschend. Ende April sei sowieso Schluss, denn dann endet die Rabatt-Aktion. Rosa Bracher wirds verkraften, und sie fügt schmunzelnd an: «Vielleicht ist es dann doch Zeit, dass ich mich zur Ruhe setze …»

 

* Namen und die ganze Geschichte sind frei erfunden.

 

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Schönenwerd schafft Sommerzeit ab!

2016-03-31 18.09.53a

Die Uhr der Schönenwerder Stiftskirche differiert gegenüber der MESZ um 6 Minuten.

Seit der Umstellung der Uhren auf Sommerzeit zeigt die Turmuhr der Schönenwerder Stiftskirche eine – vermeintlich – falsche Uhrzeit an und hinkt der offiziellen MESZ um 6 Minuten hinten nach.

Nein, es handle sich hierbei nicht um eine Fehlfunktion, wie angenommen werden könnte, ist aus dem Gemeindehaus auf Anfrage zu erfahren. Die Uhr der Stiftskirche laufe nach der ab April 2016 im ganzen Dorfgebiet gültigen VBSZ, also der vernunftbasierten Schönenwerder Zeit. Dass die Umstellung bereits am vergangenen Ostersonntag und nicht erst jetzt erfolgt sei, habe rein finanzielle Gründe. So sei der Aufwand halbiert worden.

Abschaffung in Raten

Der VBSZ liege eine Initiative von privater Seite zugrunde, welche verlangte, die Umstellung auf Sommerzeit ganz abzuschaffen, da man auf verschiedensten Ebenen zur Erkenntnis gekommen sei, dass diese ausser zusätzlichem Aufwand nichts bringe. Man habe sich im Gemeinderat schliesslich zu einer Kompromisslösung durchgerungen und wolle nun die Sommerzeit in Raten, also in 12 Schritten à 6 Minuten, eliminieren. So könne sich die Bevölkerung nach und nach an den Unterschied der Schönenwerder Zeit gegenüber der europaweit geltenden MESZ gewöhnen. Ab 2025 werde man dann gänzlich auf die Sommerzeit verzichten.

Europa zieht (noch) nicht nach

Verschiedene Gemeinden aus dem In- und Ausland, die ebenfalls keinen wirklichen Nutzen in der Sommerzeit-Umstellung sehen, haben sich bereits für das Schönenwerder Modell interessiert. Mitgezogen ist jedoch noch keine. So gesehen ist Schönenwerd ab sofort eine Zeitinsel in Europa. Auch wenn die Zeiger der Turmuhr etwas anderes anzeigen, ist man in Schönenwerd aber nicht chronisch zu spät, sondern ganz einfach der Zeit voraus.

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Wie man die Callcenter-Dame in den Wahnsinn treibt

Freitagnachmittag, 14:30 Uhr, das Handy klingelt, auf dem Display steht eine unbekannte Nummer.

– Hallo?

– Ja, hallo, sprech ich mit Herrn Marti?

– Ja.

– Ja, Herr Marti, schön, dass ich Sie direkt erreiche …

– Sie haben ja angerufen.

– Und zwar erinnern Sie sich sicher noch an unser Gespräch vor ca. einem Jahr. Sie haben damals gesagt, dass Sie mit Ihrer Krankenkasse ganz zufrieden sind.

– Nein, ich erinnere mich nicht, und ja, ich bin zufrieden.

– Nun, Herr Marti, es ist so, wir möchten Ihnen gerne …

– Wer ist wir?

– Wir sind vom Krankenkassenverband …

– Aha, und Sie haben keinen Namen?

– Mein Name ist Valeria Müller.

– Soso (hätte ich tippen müssen, ich hätte genau auf diesen Namen getippt …).

– Ja, also wie gesagt, wir möchten Ihnen gerne aufzeigen, wie Sie bei Ihren Krankenkassenprämien …

– Nein?

– Wie nein?

– Nein, Sie haben das noch nicht gesagt?

– Was denn?

– Sie sagten: „Wie gesagt …“ und danach etwas, das Sie noch nicht gesagt hatten.

– Ach so. Also wie gesagt …

– Passen Sie auf, was Sie jetzt sagen …

– Nun, wir möchten Ihnen zeigen, wie Sie bei Ihren Krankenkassenprämien sparen können.

– So was ähnliches sagten Sie schon.

– Ja und zwar mit einer Kollektivversicherung.

– (mit spürbarer „Begeisterung“) toll …

– Wie sind Sie denn jetzt versichert.

– Ich hoffe, ich hab eine Haftpflicht-Versicherung gegen Amokläufe in Callcenters.

– Ich meinte eigentlich ihre Krankenkasse.

– Ach, die übernehmen das?

– Herr Marti, wir möchten Ihnen helfen, Geld zu sparen.

– Schauen Sie grad Tennis?

– Was?

– Was wohl? Wawrinka gegen Tsonga natürlich!

– Tut mir leid. Nein. Ich bin ja am arbeiten.

– Eben. Ich auch.

– (Schweigen … ja, sowas gibts!)

– Hallo?

– Ja, Herr Marti, der Krankenkassenverband hat herausgefunden, dass mit einer Kollektivversicherung (fasel, fasel, fasel …)

– (Schweigen meinerseits)

– Herr Marti? Sind Sie noch da?

– Ja.

– Also wenn in Ihrem Haushalt mehr als eine Person lebt, dann könnten Sie mit einer Kollektivkrankenkasse (fasel, fasel, fasel …)

– Aha.

– Wie viele Personen leben denn nun in Ihrem Haushalt?

– Ja.

– Also zwei?

– Nein.

– Drei?

– Sie dürfen gerne noch ein wenig weiter raten.

Tuut tuut tuut …

Schade eigentlich. Gerade fing es an, Spass zu machen.

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Wenn sogar Boulevard-Journis übertreiben

Heute Abend entdeckte ich diese Schockmeldung im Blick.

Da lief mir nun echt kalter Schauer über den Rücken. So viel Blödsinn innerhalb einer einzigen Meldung unseres liebsten Chäsblatts gabs schon lange nicht mehr.

Liebe Jungs vom Blick.ch

Kommt mal etwas runter!

1. Saure-Gurken-Zeit ist doch vorbei!

2. Es ist Halloween.

3. Was suchen die Jugendlichen unterwegs zum Fussballspiel auf einem verlassenen Badi-Parkplatz?

4. Wie schafft man es, den Clown nicht aufmerksam zu machen, wenn man im einzigen Auto auf einem Parkplatz steht?

5. Hilft es beim Nicht-auf-sich-aufmerksam-machen, wenn man wohl den Kopf oder zumindest ein Smartphone aus dem Fenster streckt, um den sich vor dem Auto befindlichen Clown zu fotografieren?

6. Wenn ein Zirkus in der Nähe wäre, wäre es dann üblich, dass ein Clown in Vollmontur auf einem verlassenen Parkplatz umherirrt?

7. Die Jungs hatten ihren Spass und ihre 10 Minuten Ruhm. Jetzt könnt ihr die Nachricht aber wieder löschen. Ihr zahlt dem Trio jetzt aber nicht noch Kohle für diesen Unsinn, oder?

8. Seid ihr sicher, dass sich die Geschichten in Münchwilen (nicht) zugetragen hat und nicht in Münchhausen?

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Ein paar Gedanken zu Halloween

Man kann sich ernsthaft fragen:

Müssen wir jeden «Brauch» mitmachen, ohne dass er bei uns eine wirkliche Tradition hat?

Müssen wir den ganzen kommerzialisierten Ramsch in den Läden kaufen?

Müssen wir mitmachen, wenn verkitschte Partys gefeiert werden?

Müssen wir diese ganze, sinnlose Geldmacherei unterstützen?

Müssen wir uns in komische Kleider zwängen und in Gruppen damit rumlaufen, nur weil das gerade hip ist?

Müssen wir es wirklich lieben, wenn andere etwas gruselig und abstossend finden?

Müssen wir wirklich jeden Seich mitmachen, der aus irgend einem Land zu uns in die Schweiz «rüberschwappt»?

Nein, müssen wir nicht. Aber wir haben zum Glück das Privileg, es zu dürfen, wenn wir wollen und damit niemandem schaden.

So, und nachdem das nun gesagt ist, trinkt bitte eure letzte Mass aus, räumt diese blau-weiss karierten Dekos weg, hängt die Lederhosen und die Dirndl in den Schrank, schlaft euren Rausch aus und lasst jene, die es mögen, Halloween feiern!

Kleiner Tipp noch: Bei uns gibts Süsses …

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Das Gegenteil von «gut»

Die unscheinbare aber täglich von über 3000 Fahrzeugen befahrene Verbindungsstrasse zwischen Oberentfelden und Schönenwerd hat schon für einigen, auch juristischen Wirbel gesorgt. Darum gehts hier aber nicht. Vielmehr gehts um eine mehr oder weniger unsinnige Anti-Littering-Massnahme.

Wenn schon: «Nicht einmal Säue ...»

Wenn schon: «Nicht einmal Säue …»

Seit ein paar Wochen steht an besagter Strasse, von Schönenwerd her kommend, zu Beginn des Waldstücks eine Tafel: «Säue werfen alles aus dem Auto.» Der Urheber dieser Tafel wollte wohl – nicht ganz grundlos – auf das Littering-Problem in besagtem Gebiet aufmerksam machen. Die Aktion ging aber gleich mehrfach schief. 

1. Die Tafel diente potenziellen Litterern offensichtlich als Zielscheibe. Rundherum «deponierter» Müll zeugt vom Scheitern des an sich nicht unberechtigten aber erfolglosen Anrufs an die Vernunft.

2. Der Text verunglimpft Schweine. Diese werden sich vermutlich nicht darüber aufregen, da sie – nach heutigem Wissensstand – zwar klug, aber dennoch nicht fähig sind, ein solches Schild zu lesen. Einmal abgesehen davon, dass Säue doch eher selten mit dem Auto unterwegs sind, wäre die Aussage «Nicht einmal Säue werfen alles aus dem Auto.» politisch etwas korrekter gewesen, ohne den Sinn des Appells zu entschärfen.

3. Die Tafel ist nun ebenfalls illegal entsorgter Abfall. Seit einigen Tagen liegt das Corpus Delicti – es handelt sich übrigens um ein mit Marker beschriebenes Kunststoff-Serviertablett – neben besagtem Müll am Wegrand. Ob es von einem Litterer mittels eines gezielten Bierdosen-Wurfes zu Fall gebracht wurde oder ob die Tafel ganz einfach dem Wind nicht stand hielt, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber ich meine, der Urheber sollte nun zumindest seinen eigenen Müll gelegentlich aus dem Wald entfernen.

Fazit: Der Tafel-Aufsteller verfolgte mit seiner Aktion sicher ein hehres Ziel. Trotzdem ist sein Ansinnen – man muss es leider konstatieren – kläglich gescheitert. Das Platzieren seines Aufrufes war sicher gut gemeint, aber «gut gemeint» ist leider das Gegenteil von «gut».

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Swisslotto-Skandal: Rekordjackpot-Ziehung muss wiederholt werden

Über 43 Millionen Schweizer Franken lagen am 20. August 2014 im prallvollen Jackpot des Schweizer Zahlenlotto. Für Hellseher H.L. aus E. war es ein Kinderspiel, die richtigen Gewinnzahlen vorauszusehen. Aber dieses Mal lag er mit seinem Tipp komplett falsch. Er ist deshalb überzeugt: Die Ziehung wurde manipuliert.

H.L. sitzt in seinem Büro in E. und streckt mir seinen Lottoschein entgegen. «Ich bin stinksauer!», sagt der 52-Jährige. «Nicht, weil mir der Rekord-Jackpot durch die Lappen gegangen wäre, ich hätte das Geld ja sowieso verschenkt.» Der Grund, für seinen Ärger ist ein anderer. Er ist überzeugt, dass bei dieser Ziehung nicht alles mit rechten Dingen vor sich ging.

«Sehen Sie!» sagt L., indem er mir eine Liste entgegenstreckt. «Das sind die Gewinnzahlen der letzten 4 1/2 Jahre. Ich habe diese jeweils rund einen Tag vor der Ziehung notiert. Und ich bin jedes Mal richtig gelegen. Ausser am 8. Januar 2011, da habe ich mich bei einer Zahl vertan. Aber damals hatte ich Grippe.» Die Liste ist in der Tat beeindruckend. Und tatsächlich hätte L. mit seinen Tipps in den letzten Jahren ein Vermögen erspielt. Hätte. Denn einen Lottoschein abgegeben hat er nie. «Ich wollte mich ja nicht bereichern. Es ging mir nur darum, meine Fähigkeiten zu trainieren. Und allein der Gedanke, dass ich es könnte, wenn ich wollte, hat mir Spass gemacht.»

Meine Zahlen waren richtig, nur zog man die falschen

Erst einmal in seinem Leben hat er mit seiner Einstellung gebrochen und doch einen Lottoschein eingereicht. «Ja, es war gestern Mittag. Die Kioskfrauen taten mir leid. Seit Wochen werden sie von nervigen Gelegenheitsspielern belagert, die erst jetzt, da ein grosser Jackpot winkt, auch mal ein paar Franken riskieren. Ich wollte dieser Rekordjagd ein Ende setzen und hab deshalb meine Tipps abgegeben. Ja, Tipps. Zwei an der Zahl. Ich musste den Mindesteinsatz spielen, obwohl mein erster, korrekter Tipp ja durchaus genügt hätte. 6, 7, 12, 33, 36, 37 und die Glückszahl 2. Das waren die korrekten Zahlen, die ich mit meinem System ermittelt hatte.» Seine Zahlen waren also richtig, nur hat dann die Lottogesellschaft die falschen Zahlen gezogen.

«Ich vermute, dass es denen sehr gelegen kommt, wenn die Rekordjagd noch etwas weiter geht. Mehr Publicity als in diesen Tagen erhält die Gesellschaft ja nie.Dennoch hätte ich nie gedacht, dass die zu solch unfairen Mitteln greifen.» H.L. ist enttäuscht. Auch, weil er den Betrag von 25 Millionen Franken bereits einem Kinderheim in Guatemala versprochen hat. Den Rest hätte er der Kioskfrauen-Gewerkschaft gespendet. «Ich gebe so schnell nicht auf», gibt er sich kämpferisch und fordert klar: «Die Ziehung muss wiederholt werden.»

Swisslotto hat sich noch nicht zu den Manipulationsvorwürfen geäussert.

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Die WM ist vorbei

Einen Monat lang waren wir im Fussball-WM-Delirium, genossen die geregelten Tagesabläufe mit TV-Übertragungen bis tief in die Nacht und mit dem täglichen Ausfüllen unzähliger Tippspiele auf sämtlichen Social-Media-Plattformen.

Und nun ists vorbei. Deutschland ist (verdienter) Weltmeister. Und morgen werden wir uns verwundert die Augen reiben, feststellen, dass sich die Gewaltspirale im Nahen Osten in der Zwischenzeit so schnell dreht, dass sie schon fast zu glühen beginnt. Die Brasilianer lassen wir auf ihren Schulden, die sie ja vor der WM schon hatten, sitzen lassen, und die Fifa wird – einmal mehr – wie blöd Kohle abgeschöpft haben.

Was bleibt also? Nun, man kann nicht sagen, dass die WM nicht nachhaltig war. Das ENSI fand einen günstigen Zeitpunkt, um brandgefährliche Bohrlöcher in der Hülle des AKW Leibstadt quasi ohne grosses Aufsehen zu entdecken. Die Finma verschärfte die Richtlinien für die Kreditvergabe an angehende Häuslebauer und entwertete mit diesem Geniestreich den Verkaufswert so ziemlich sämtlicher Wohnbauten – ganz ohne Opposition. Und der Bundesrat nutzte die Gunst der Stunde, um dem „einfachen Fussvolk“ den Bezug von PK-Geld zu erschweren und ihm damit gleichzeitig die Schuld für die Finanzkrise in die Schuhe zu schieben, ohne dass sich jemand darüber aufgeregt hätte.

Gut, dass die WM vorbei ist, bevor noch mehr Unheil angerichtet wird.

 

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Über meine (zu) lange Karriere bei der Post

(Aus dem Archiv 17.08.2001)

Geh zur Post, dann hast du einen sicheren Job! Diesen Rat haben mir meine Eltern vor rund 20 Jahren mit auf den Weg gegeben, als ich, klein Roli, mich mit der Frage der Berufswahl herumschlug. Da mich Eisenbahnen nicht sehr interessierten, kam Lokführer kaum in Frage und als Pilot sah ich keine Chance, weil ich mit meiner bescheidenen Körpergrösse wohl kaum aus dem Cockpit gesehen hätte. Ausserdem hatte ich Stewardessen als weibliche, bildhübsche aber mindestens 195cm grosse Wesen in Erinnerung, was einen grossen Teil der Verlockungen des Pilotenberufes für mich bereits uninteressant machte.

So besuchte ich denn die Verkehrsschule in Olten – für all jene, die mich noch nicht darauf angesprochen haben: Nein, das ist NICHT da, wo die Verkehrspolizisten ausgebildet werden! – und versuchte anschliessend, bei der Post unter zu kommen. Am Ende des Auswahlverfahrens war ich sogar in der angenehmen Situation, mich innert 2 Minuten zwischen einer Karriere bei der Post oder der Bahn zu entscheiden. Ich wählte, wen wundert’s, den gelben Riesen.

Fortan sollte dieser mein Leben bestimmen. Ich absolvierte die Ausbildung zum Betriebssekretär in Aarburg und Suhr, und nach bestandener Abschlussprüfung tingelte ich in Aarau herum, bevor ich die Rekrutenschule und anschliessend meinen Stage in Genf absolvierte. Dort lernte ich sehr vieles; Feste feiern, Schlemmen wie Gott in Frankreich, McDonalds-Grossbestellungen 5 Minuten vor Ladenschluss deponieren, Videos gucken bis weit nach Mitternacht… die Aufzählung könnte noch beliebig weiter geführt werden, bevor dann auch noch kurz die französische Sprache erwähnt würde. Immerhin wohnte ich in der Rue de Berne, der Sündenmeile von Genf, und mein Götti, der damals in der Nähe von Genf wohnte, fragte mich ganz erstaunt, ob man denn ein Zimmer in der Rue de Berne auch für mehr als eine halbe Stunde mieten könne…

Nun gut, mit einigen Erfahrungen kam ich wieder in die Deutschschweiz zurück, tingelte weiter, löste hier mal einen erkrankten Posthalter ab oder verschlief da mal eine Bahnpost, die dann halt ohne mich durchs Freiamt preschte. Aus dieser Zeit stammt auch das schönste Souvenir, das ich während meiner Postkarriere gesammelt habe. Ich lernte meine jetzige Frau kennen.

Ende Mai 1989 trat ich im Postcheckamt Aarau meinen Dienst an. Zunächst als Saalchef in Aufsichtsfunktion über rund 20 Damen, welche die Buchungsdienste versahen, später als Kundenberater, welcher für praktisch alles zuständig war, was sonst keiner machen wollte. Als die Tage des Postcheckamtes bereits gezählt waren, durfte ich dann die Position des Personalchefs bekleiden und als solcher auch den Leiter bei seinen Abwesenheiten vertreten. Meine Hauptaufgabe bestand jedoch darin, die abspringenden Mitarbeiterinnen durch neu Eintretende zu ersetzen. Eine recht hektische Zeit, und dennoch fanden wir einige freie Stunden, in denen wir das ominöse Abschlussfest organisieren konnten. Von diesem Fest schwärmen fast alle damals anwesenden Damen noch heute. Mehr sei hier nicht verraten…

Als das Damoklesschwert der Aufhebung dann das Schicksal des Postcheckamtes besiegelte, wechselte ich auf die Kreispostdirektion Aarau. Am 4. November 1996 begann ich dort meinen Dienst als Promotor für Philatelie und Drittleistungen. Aus dieser Zeit stammt auch mein Uebername: Promotoren-Roli oder eben kurz: Promiroli. Nur rund 3 Monate lang übte ich diese Funktion aus, da zu jener Zeit der Kundenberater für den Zahlungsverkehr Abwanderungsgelüste hatte. Da lag es nahe, dass ich mich wieder dem Gebiet rund um das Gelbe Konto widmete. So fand für mich die Aufhebung der Kreispostdirektion und die Ueberführung in die Verkaufsregionen eher sanft statt.

In der Folge machte ich zwar 3 Jahre lang denselben Job, nur wechselte er so ungefähr im Jahresrhythmus seine Bezeichnung. Kundenberater C, Kundenberater Postfinance, Promotor Postfinance, Promoting Verkaufssupport Postfinance, Promotor Postfinance Produkte. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Doch auch dieser Einsatzort, die Verkaufsregion Aarau, fiel einer Reorganisation zum Opfer (böse Zungen behaupten, die Aufhebungen lägen an mir), und so war mein neues Arbeitsfeld im Marketing der Region Nord in Basel.

Und bevor nun der Entscheid fällt, dass auch die Region Nord reorganisiert und damit von der Bildfläche verschwinden soll, pfeife ich nun auf den „sicheren“ Job bei der Post und suche meine Fähigkeiten einem neuen Arbeitgeber zur Verfügung zu stellen.

An dieser Stelle danke ich allen, welche mich in meiner gut 16-jährigen Karriere begleitet und unterstützt, gefördert, gefordert, geärgert und/oder wieder aufgestellt haben. Ich habe viel gelernt und bin sicher, dass ich mit diesem prall gefüllten Wissensrucksack überall das nötige Werkzeug und ein praktisches Survival-Kit dabei habe.

Die meisten meiner ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werde ich vermissen. Besonders die vielen aufgestellten Teams, in welchen ich mich integrieren durfte, werde ich in allerbester Erinnerung behalten. Ich hoffe, dass wir uns irgendwie, irgendwo und irgendwann wieder über den Weg laufen.

Und falls jemand wissen möchte, wohin es mich nun verschlägt. Naja, zur Zeit weiss ich es selber noch nicht. Aber schreibt mal wieder ein Mail oder besucht meine Homepage www.promiroli.com, dann werde ich euch gerne auf dem Laufenden halten.

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Über die Mondfinsternis und andere dunkle Seiten

(Aus dem Archiv 10.01.2001)

Ich geb’s ja zu. Fernsehen ist eines meiner liebsten Hobbies. So rund eine Stunde sitze ich täglich mindestens vor der Flimmerkiste und lasse die grosse weite Welt an mir vorbei ziehen. Aber auf unserer letzten USA-Reise im September 2000 habe ich eine alte Liebe neu entdeckt. Das ECHTE Fern-sehen.

Schon als Kind haben mich die Sterne fasziniert. So ungefähr als zehnjähriger Junge kannte ich den grossen Wagen und wusste somit auch den Polarstern und damit die Windrichtungen bei klarem Nachthimmel zu bestimmen. Ich wusste auch bald, dass der Mond sich um die Erde, die Erde sich um die Sonne dreht und für eine Umkreisung rund 365 Tage und 6 Stunden benötigt. Etwas später, als ich die Verkehrsschule besuchte, belegte ich in einer speziellen Kurswoche den 2-tägigen Astronomie-Kurs, was mich derart zu packen vermochte, dass ich trotz der Tags (oder besser: Nachts) zuvor bei einer Schulkameradin gefeierten Party und des verdunkelten Schulzimmers nicht einschlief und sogar meinen Pultnachbarn mit gelegentlichen Ellbogen-Checks am endgültigen Abtauchen hindern konnte.

Und nun hatte es mich also wieder gepackt, als wir in Florida den Start der Raumfähre Atlantis live miterleben konnten. Zudem waren wir am Vortag bereits im Kennedy-Space-Center und konnten dort unter anderem die verschiedenen Module der demnächst im All zusammen zu bauenden ISS (International Space-Station) bestaunen. Und so haben wir – meine Frau und ich – also seither des öfteren die Homepage der NASA besucht um zu sehen, was wann von wo aus raufgeschossen wird, ab und zu Satellitenbilder gefunden und natürlich „unseren“ Flug der Atlantis akribisch mitverfolgt. Als wir dann auch noch ein Tool gefunden haben, mit welchem man die Sichtungszeiten der nun seit einigen Wochen die Erde umkreisenden ISS auf die Sekunde genau voraussagen konnte, waren wir schon des öfteren mal abends auf die benachbarte Wiese ausgerückt und haben nach der Station Ausschau gehalten. Zweimal bisher waren wir dabei erfolgreich.

Ein neuerliches Fern-seh-Highlight war auf den Abend vom 9. Januar 2001 angesagt. Eine totale Mondfinsternis. Nur kurz für Laien: Der Mond ist dann vollständig im Schatten, den die Erde vom Sonnenlicht wirft. So etwa um 19.30 Uhr sollte das Spektakel mit dem Eintritt des Mondes in den Erdschatten starten. Um 20.49 Uhr begann dann die „Totale“, also die vollständige Verdunkelung des Mondes, welche bis 21.51 Uhr anhielt. Klar, dass ich in dieser guten Stunde des öfteren auf die Terrasse trat und meinen Blick gen Himmel richtete. Aber das Objekt der Begierde zeigte sich nicht. Zu viele Wolken verdeckten den winterlichen Nachthimmel, was in unseren Breitengraden in dieser Jahreszeit nicht sonderlich Aufsehen erregend, an diesem speziellen Tag aber doch sehr ärgerlich war. Wir gingen mehrere Male, versuchten auch, durch die Wahl eines besseren Standortes doch noch einen Blick zu erhaschen, ja wir setzten sogar die Brillen auf, welche wir vor rund 1 1/2 Jahren bei der totalen Sonnenfinsternis benützten, aber alle Mühe war umsonst. Der Mond in seiner angekündigten kupferroten Verfärbung zeigt sich uns nicht. Meine Frau hatte die Hoffnung ja bereits nach dem zweiten Versuch aufgegeben, ich aber biss durch und ging immer und immer wieder nach draussen. Nur, die Wolkendecke blieb dicht, der Mond unsichtbar, und ich war bitter enttäuscht über das entgagene Naturschauspiel. Da nützte auch der Hinweis in der Nachrichtensendung wenig, wonach die nächste „Totale“ am 16. Mai 2003 stattfinden würde.

Nun, man soll ja eine gute Geschichte möglichst mit einem Happy-End schliessen lassen, und so darf ich hiermit feierlich verkünden, dass ich nicht ganz umsonst ein paar Mal auf die Terrasse raus gegangen bin. Als ich nämlich um 21.50 Uhr den letzten Versuch unternahm, habe ich mir meinen Zeigefinger zwischen Terrassentür und Rahmen eingeklemmt, dass ich für die nächsten rund 5 Minuten wirklich nur noch Sterne sah…

 

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